Gesundes Aufwachsen für alle Kinder

office@kinderjugendgesundheit.at

Jubiläumstagung "15 Jahre Kinderliga"

Die in diesem engen Austausch untereinander gewonnenen Erfahrungen und Daten dienen dazu, miteinander zu lernen und uns in fachlichen und sozialpolitischen Kontexten für die Interessen und Rechte von Kindern einzusetzen.

Nach 15 Jahren Vereinsarbeit ist die Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit fest verwurzelt in ihrer Rolle als interdisziplinäre Vernetzungs- und Kooperationsplattform und in ihrem Einsatz für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in Österreich. So vielfältig und bunt wie das Blätterdach eines Herbstwaldes tragen wir mehr als 100 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Gesundheitsversorgung, Kindeswohl und soziale Integration.

Dies spiegelt sich auch in den sechs Themenschwerpunkten der Kinderliga wieder, zu welchen profilierte Referent:innen ihr Wissen mit der Kinderliga und dem interessierten Publikum teilten. Das Ergebnis waren lebhafte Diskussionen sowie spannender und informativer Austausch am Marktplatz, der durch das Engagement der Mitgliedsorganisationen ermöglicht wurde.

Die in diesem engen Austausch untereinander gewonnenen Erfahrungen und Daten dienen dazu, miteinander zu lernen und uns in fachlichen und sozialpolitischen Kontexten für die Interessen und Rechte von Kindern einzusetzen.

Vieles was in der Vergangenheit formuliert wurde, ist leider immer noch gültig“.
Mag.a. Dr.in Caroline Culen, Geschäftsführerin der Kinderliga

Vor 15 Jahren wurde die Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit von Dr. Klaus Vavrik gegründet und verleiht seither jenen Kindern eine Stimme, die in ihren ureigenen Bedürfnissen und ihrem Wunsch nach Förderung, Anerkennung und Zugehörigkeit nicht, oder zu wenig gehört werden. An dieser Stelle wollen wir unsere Forderung nach einem eigenen Kinderministerium erneuern, denn für 25 % unserer Bevölkerung - für die Interessen von Kindern und Jugendlichen - gibt es keine repräsentative Vertretung in der Politik. Sinnvoll und notwendig sind deutlich verstärkte Investitionen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor allem auch durch die Förderung von Talenten und Ressourcen unserer Kinder zu stärken, anstatt die Schere der Chancenungerechtigkeit weiter auseinander gehen zu lassen. Jeder investierte Euro wird sich dabei individuell aber auch volkswirtschaftlich vielfach lohnen. Deshalb fordern wir neben einem Kinderministerium eine jährliche Kindermilliarde. Diese entspräche ‚nur’ einem Hundertstel der in den letzten 2 Jahren investierten Krisenmilliarden.

Als Gesellschaft die tragfähig bleiben will, müssen wir möglichst alle Kinder mitnehmen und dürfen keines zurücklassen. Motivierte, stabile, soziale, mitfühlende und leistungsfähige Kinder alleine sind unsere wahren Energiereserven für die Zukunft. Sie werden unsere Gemeinschaft von morgen zusammenhalten, oder im Umkehrschluss durch aggressive und depressive Stimmungen aufgrund heute vertaner Chancen belasten.
Dr. Christoph Hackspiel, Präsident der Kinderliga

Mit dieser Forderung begrüßt – nach wertschätzenden und motivierenden Worten von Vizebürgermeister und Stadtrat Christoph Wiederkehr – Christoph Hackspiel, Präsident der Kinderliga, die Anwesenden der Jubiläumstagung „15 Jahre Kinderliga“.

Für die Referent:innen eröffnet Mag.a Hedwig Wölfl, Vizepräsidentin der Kinderliga und Geschäftsführerin der DIE MÖWE-Kinderschutzzentren, mit ihrer Keynote „Kinderschutz – vom Schlagwort zur gemeinsamen Verantwortung“ die Bühne. Das Thema Kinderschutz beschäftigt die Kinderliga als Schwerpunkt seit 2013. Damals wurde vor allem das Gewaltschutzgesetz in der Erziehung kommuniziert, welches 2013 erneuert wurde. Heute unterstütz die Kinderliga Organisationen bei der Erarbeitung und Umsetzung von Kinderschutzkonzepten. Erfreulich war es zu sehen, dass 52%  der, bei einer Publikumsumfrage, Teilnehmenden angegeben haben eine eigene Kinderschutzrichtlinie in ihrer Organisation zu besitzen.

Mit den Schwerpunktthemen Bildung und Armut hat die Kinderliga seit 2014 insbesondere den Zusammenhang von Bildung, Armut und Gesundheit betont. Österreichweite Bildungsdialoge waren eines der Projekte, die damals von der Kinderliga durchgeführt wurden. Das dieser Zusammenhang nach wie vor pressant ist konnte man auf der Jubiläumstagung in den Beiträgen von Univ. Prof. Dr. Stefan Hopmann (Die Schule von morgen – Chancen für Kinder und Jugendliche), Mag.a. Judith Ranftler und Mag.a Hanna Lichtenberger MA (Gesundheit darf kein Luxus sein! Über den Zusammenhang von Kinderarmut und Gesundheit – auch im Kontext der Pandemie) erfahren. Wie sehr gesellschaftliche Rahmenbedingungen und die persönlichen Lebensumstände Gesundheit und Wohlbefinden bestimmen, hat uns auch in den letzten zwei Jahren der Coronapandemie wieder sehr beschäftigt.

Die Fluchtbewegung von rund zwei Millionen Menschen hat das Schwerpunktthema 2016 und die Forderungen der Kinderliga nach ausreichender psychotherapeutischer, psychologischer und psychiatrischer Betreuung für Kinder und Jugendliche mit Fluchtbiographie sowie die Beachtung der speziellen Bedürfnisse von unbegleiteten Minderjährigen auf der Flucht geformt. In einer interdisziplinär zusammengesetzten Arbeitsgruppe sind die Gesundheitsstandards für Kinder und Jugendliche mit Fluchtbiographie entstanden. Zu finden als Download auf der Kinderliga-Website. Auf der Jubiläumstagung sprach Lisa Wolfsegger zum Thema Flucht und zeichnet ein pessimistisches Bild bei der Beantwortung der Frage „Wie steht es um die Kinderrechte bei Kinderflüchtlingen in Österreich“?

Trotz der sachlichen Präsentation von Univ. Prof. Dr. Paul Plener mit dem Titel „Krise und Entwicklung: kinder- und jugendpsychiatrischer Versorgung stärken“ blieb es beim Themenschwerpunkt seelische Gesundheit weiter emotional. Alles andere als rosig sind sie, die Zahlen der Betroffenen im Verhältnis zur Versorgungslage. So empfinden auch 72% der Teilnehmenden die Versorgungslage für Kinder und Jugendliche mit psychischen Belastungen in Österreich für „nicht genügend“. Für die Kinderliga stand Univ. Prof. Dr. Paul Plener bereits 2018 auf der Bühne – damals, neu in Wien, zur Tagung zur Psychischen Gesundheit.

Mit ersten Ergebnissen der qualitativen Studie „Corona und Familienleben“ gab Univ. Prof.in Mag.a Dr.in Ulrike Zartler-Griessl einen alltagsnahen Einblick in die Lebenswelten der teilnehmenden Familien. Sie sprach über die emotionalen und psychischen Belastungen, die sozialen Folgen, Folgen für Bildung sowie die physischen Folgen.

Stabiles Fundament aller gesellschaftlichen Anstrengungen sind die Investitionen in die Talente und Ressourcen unserer Kinder. Die Jubiläumstagung „15 Jahre Kinderliga“ konnte im Angesicht der aktuellen Herausforderungen, Möglichkeiten und Wege für ein gesundes Aufwachsen für alle Kinder und Jugendliche in Österreich aufzeigen.

Niemanden zurückzulassen, sondern alle – insbesondere unsere sozial, emotional und körperlich benachteiligten Kinder und Jugendlichen in die Mitte zu nehmen - bleibt unser optimistisches, kraftvolles Ziel.

Fotos: (C) Luis Harmer für die Kinderliga

Wir bedanken uns bei folgenden Sponsor:innen: