Vom ODER zum UND: Präsentation des Abschlussberichts der österreichischen Bildungsdialoge 2015

Vom ODER zum UND: Präsentation des Abschlussberichts der österreichischen Bildungsdialoge 2015

Vom ODER zum UND: Präsentation des Abschlussberichts der österreichischen Bildungsdialoge 2015

Am 5. September 2015 präsentierte die Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit in Kooperation mit dem Forum Lebensqualität im burgenländischen Schattendorf die Ergebnisse der Bildungsdialoge, die von Frühjahr bis Sommer 2015 in allen Regionen Österreichs stattfanden und an denen insgesamt rund 500 ExpertInnen teilnahmen.

Die Antworten daraus, die in einem Abschlussbericht zusammen gefasst sind, zeigen über regionale und professionelle Grenzen hinweg in eine gemeinsame, mitunter noch unbekannte Zukunft. „Ermutigende Bildung – jetzt!“ ist die Botschaft der ExpertInnen. Alle sind sich einig: der aktuelle gesellschaftliche Umbruch fordert einen umfassenden Kurswechsel: vom WAS zum WIE, vom ODER zum UND. Gerade jetzt brauche es eine neue Bildungskultur, eine Gesellschaft, die sich als Bildungsgesellschaft versteht!

  • 15 Bildungsdialoge in allen Regionen Österreichs mit rund 500 ExpertInnen

Die Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit (Kinderliga) widmete sich bereits 2014 dem Themenschwerpunkt „Gesundheit und Bildung“ mit besonderer Aufmerksamkeit auf den Aspekt der Beziehungsbildung. In Kooperation mit dem Forum Lebensqualität entwickelte die Kinderliga diese Thematik weiter und veranstaltete ab Frühling 2015 gemeinsam mit regionalen Partnerorganisationen österreichweit 15 regionale Bildungsdialoge. In ihnen sind rund 500 Fachleute der Frage nachgegangen, wie eine zukunftsfähige, menschenfreundliche und gesundheitsfördernde Bildungskultur etabliert werden kann.

  • Abschlussbericht fasst Ergebnisse der österreichweiten Bildungsdialoge zusammen

Rechtzeitig zum Schulbeginn wurde der Abschlussbericht dieser regionalen Bildungsdialoge am 5. September 2015 in Schattendorf (Burgenland) erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. In seiner Begrüßung betonte Bürgermeister Johann Lotter den positiven und konstruktiven „Spirit“, der auch bei dieser Abschlussveranstaltung zu spüren sei, und freute sich, dass die für die österreichische Zeitgeschichte so symbolträchtige Gemeinde an der Grenze Gastgeber für die Präsentation des Abschlussberichts ist. „Schattendorf möchte sich mit seinem neuen Kommunikationszentrum - der Schuh Mühle - auch als Bildungsort etablieren. Mit dem Bildungsdialog und der Präsentation des Abschlussberichts ist ein guter Start gelungen,“so Lotter. In der Präsentation des Abschlussberichts sprach der Autor des Berichts, Gerald Koller, Gründer des Forum Lebensqualität und Moderator der Bildungsdialoge, von einem sehr lebendigen Austausch von rund 500 mit Bildung befassten Menschen in allen Regionen Österreichs. Die ExpertInnen gingen der Frage nach, wie eine ebenso zukunftsfähige wie menschenfreundliche und gesundheitsfördernde Bildungskultur etabliert werden kann, die Bildung nicht auf „Ausbildung“, „Bildungssystem“ oder „Bildungsreformen“ beschränkt. Der Titel des Abschlussberichts „Vom ODER zum UND. Beziehungen bilden. Wege begleiten. Potentiale entfalten“ gibt einen Hinweis auf die Antworten. Gerade der aktuelle gesellschaftliche Umbruch in Europa erfordert einen Kurswechsel, der nur gemeinsam gelingen kann. Laut der ExpertInnen braucht es einen neuen globalen Zukunfts- und damit Bildungsentwurf, für den es sich zu leben lohnt. Ein solcher Entwurf stellt die Lebensqualität in den Mittelpunkt, auch in Belangen der Bildung. Lebensqualität wird dort möglich, wo gesellschaftliche, soziale und individuelle Potentiale gefördert werden. Diese umfassende Förderung wird mit dem Begriff der Beziehungsbildung beschrieben.

  • Beziehungsbildung: Lernen – und damit Leben – geschieht ausnahmslos in Beziehungen!

Beziehungsbildung richtet ihr Augenmerk zu allererst auf das Wohlergehen aller Lernenden und Begleitenden. Das hat gesundheitsfördernde, aber auch pädagogische Gründe: wie sehr das Wohlbefinden sich auf gelingende Lernprozesse auswirkt, hat die Gehirnforschung der letzten Jahre belegt und damit wichtige Erkenntnisse für die Pädagogik der Zukunft gebracht: Menschen lernen nur dann, wenn sie sich wohl fühlen – und von anderen Anerkennung erfahren. Lernen geschieht also ausnahmslos in Beziehungen. Eine entspannte, aufmerksame und einander zugewandte Grundhaltung ist Voraussetzung für freudvolles und damit nachhaltiges Lernen. Es ist erwiesen, dass Angst Lernen verhindert. Ein angstvolles und demotivierendes Unterrichtsklima dürfte auch der Grund für die hohe Zahl jener Menschen in Österreich sein, die an Illetrismus leiden. Auf Grund von Vergleichszahlen der Schweiz dürften es in Österreich rund 850.000 Menschen sein, die nicht mehr als vier Wörter sinnerfassend lesen oder schreiben können! Beziehungsbildung ist im aktuellen Bildungssystem in Österreich jedoch noch kein Thema. Es herrscht nach wie vor die von ihm geschaffene Hierarchie vor, die formale Schulbildung als weitaus bedeutsamer sieht als non-formale Schulbildung. Die „ungesunde“ Folge: es herrscht eine Schräglage zwischen den wesentlichen Begleitorganisationen und ihren unverzichtbaren Angeboten für die Persönlichkeitsbildung und Empathiefähigkeit junger Menschen. „Dabei schafft Beziehungsbildung auch sozialen Reichtum: sie stärkt das Miteinander und die Zuversicht - und das Gefühl: Wir sind am Ball – es liegt an uns! Führt sie auf diesem Weg zu globaler Empathie, eröffnet sie auch in Krisenzeiten kulturelle, soziale, ökologische und ökonomische Spielräume für eine gute Zukunft für kommende Generationen – was ja die Aufgabe jeder Bildung ist“, zeigt Gerald Koller einen wesentlichen Aspekt auf.

Für Klaus Vavrik, Präsident der Kinderliga, ist Beziehungsbildung auch „gesunde Bildung“. Gesundheit und Bildung sind zentrale Säulen für die Zukunft der Kinder, stehen in enger Wechselwirkung und bedingen einander: „Es braucht eine neue, „gesunde“ Bildungsstrategie und Bildungsatmosphäre: förderlich, unterstützend und wertschätzend für die Potentialentfaltung jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen!“, so Vavrik.

  • Die neue Bildungsformel

Nach der bekannten Metastudie von John Hattie ist für den Lernerfolg vorwiegend die gelingende Beziehung zwischen Lernenden und Lehrenden verantwortlich – eine Beziehung, die von Lehrenden angeboten wird, die ein fehlerfreundliches Klima schaffen, persönliches, spezifisches, vielfältiges Feedback geben, das Wissen der Lernenden ehren und sich nicht als Unterweisende, sondern als Begleitende und Moderierende verstehen. (Hattie: Visible learning, 2009).

Zu diesem Schluss kamen auch die rund 500 BildungsexpertInnen, deren Erfahrungen und Visionen in dem Abschlussbericht der bundesweiten Bildungsdialoge zusammen gefasst sind, und die sich über regionale und professionelle Grenzen hinweg großteils decken. Der Abschlussbericht zeigt in eine gemeinsame, mitunter noch ungewisse Zukunft, für die alle - Kinder wie Begleitende – Mut brauchen werden. „Ermutigende Bildung – gerade jetzt!“ ist die Botschaft der ExpertInnen.

Abschlussbericht online: www.bildungsdialoge.at

Österreichische Kinderliga: www.kinderjugendgesundheit.at

Forum Lebensqualität: : www.qualitaetleben.at

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