Gesundes Aufwachsen für alle Kinder

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Kindergesundheitsgipfel Wien

Am 20.05.2026 lud die Kinderliga zum Kindergesundheitsgipfel 2026 nach Wien ein. Gemeinsam widmeten wir uns der Frage, wie Eltern – insbesondere von Kleinkindern – in ihrer wichtigen Rolle unterstützt und gestärkt werden können.

Frühe Förderung braucht starke Netzwerke und starke Familien

Wie können Familien frühzeitig erreicht, Eltern wirksam unterstützt und Präventionsangebote besser miteinander verknüpft werden? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Fachleute aus Gesundheitswesen, Bildung, Sozialbereich, Wissenschaft und Praxis beim Kindergesundheitsgipfel in Wien. Im Fokus standen die frühe Kindheit und das Kleinkindalter sowie die Frage, wie Kinder und ihre Familien möglichst früh und nachhaltig begleitet werden können.

Den Auftakt der Veranstaltung bildeten Kurzimpulse von Christine Fröhlich (Kinderärzt:innen-Netzwerk kikico), Claudia Langer-Mark (Abteilung öffentliche Gesundheit Tirol) und Birgit Wenty (Frühe Hilfen) die spannende Einblicke in ihre jeweilige Arbeit und Expertise gaben. Die Referent:innen beleuchteten aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen in den Bereichen frühe Förderung, Prävention, Familienunterstützung und Vernetzung und lieferten damit wichtige Anregungen für die anschließenden Diskussionen. Die vielfältigen Perspektiven aus Praxis, Wissenschaft und Versorgung bildeten die Grundlage für den interdisziplinären Austausch in den Arbeitsgruppen.

Die Diskussionen machten deutlich: Erfolgreiche Prävention ist keine Aufgabe einzelner Institutionen. Sie gelingt dort, wo Gesundheitswesen, Bildungsbereich und Sozialsystem zusammenarbeiten, Familien Orientierung erhalten und Unterstützungsangebote gut aufeinander abgestimmt sind.

Kindergarten als zentrale Anlaufstelle für Familien

Ein zentrales Ergebnis des Gipfels war die klare Positionierung des Kindergartens als wichtigste Anlauf- und Kommunikationsstelle für Eltern. Kindergärten bieten einen niedrigschwelligen Zugang zu Familien und können als Schnittstelle zwischen Bildung, Gesundheit und Sozialem eine Schlüsselrolle in der Prävention übernehmen.

Die Teilnehmenden sahen den Kindergarten nicht nur als Ort früher Bildung, sondern auch als Plattform für Elternkommunikation, Elternbildung und Elterngruppen sowie als Ausgangspunkt für Elternnavigation und Weitervermittlung zu Unterstützungsangeboten.

Darüber hinaus wurde die Frage diskutiert, ob der Kindergarten gesellschaftlich stärker aufgewertet und als selbstverständlicher Teil eines umfassenden Bildungs- und Präventionssystems verstanden werden sollte – etwa nach dem Vorbild einer „Schule ab vier Jahren“.

Früherkennung braucht Orientierung und Unterstützung

Ein weiterer Schwerpunkt war die systematische Früherkennung von Entwicklungsrisiken und Unterstützungsbedarfen. Als wichtige Instrumente wurden unter anderem der Eltern-Kind-Pass, Kindergarten-Vorsorgeprogramme, strukturierte Entwicklungsbeobachtungen sowie schulärztliche Angebote genannt.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass Früherkennung allein nicht ausreicht. Familien benötigen nach einer Beobachtung oder Diagnose klare Orientierung, verständliche Informationen und raschen Zugang zu passenden Unterstützungsangeboten. Besonders hervorgehoben wurde die Rolle des Eltern-Kind-Passes, der künftig noch stärker als Informations- und Zugangsweg zu Unterstützungsangeboten genutzt werden könnte.

Vernetzung als Schlüssel für wirksame Prävention

Viele Diskussionen beschäftigten sich mit der Frage, wie bestehende Angebote besser sichtbar gemacht und miteinander verknüpft werden können. Obwohl bereits zahlreiche Unterstützungsangebote vorhanden sind, erleben Familien häufig unübersichtliche Zuständigkeiten und schwierige Übergänge zwischen unterschiedlichen Systemen.

Als Herausforderungen wurden insbesondere Brüche an wichtigen Übergängen genannt – etwa nach dem dritten Lebensjahr oder beim Wechsel von der Kinder- und Jugendversorgung in die Erwachsenenmedizin.

Diskutiert wurden regionale Angebotslandkarten, digitale Plattformen mit Suchfunktionen, Kooperationsübersichten sowie stärkere kommunale Vernetzungsstrukturen. Als Vorbilder wurden unter anderem die Kindergesundheitsnetzwerke in Niederösterreich sowie das Münchner Vernetzungsprojekt „Regsam“ genannt.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt zudem die Idee regionaler Präventionsfachstellen. Diese könnten als Drehscheiben für Vernetzung, Qualitätsentwicklung, Informationsmanagement und die Koordination präventiver Angebote fungieren.

Eltern als Partner:innen verstehen

Ein zentrales Thema aller Arbeitsgruppen war die Frage, wie Eltern wirksam erreicht und langfristig eingebunden werden können. Konsens bestand darin, dass Eltern nicht als Zielgruppe, sondern als Partner:innen und Expert:innen ihrer Kinder verstanden werden sollten.

Als besonders wirksam wurden niedrigschwellige und lebensweltnahe Zugänge beschrieben. Informationen und Angebote sollten dort verfügbar sein, wo Familien ihren Alltag verbringen – etwa in Kindergärten, auf Spielplätzen, in Einkaufszentren oder über Berufsgruppen, die regelmäßig mit Eltern und Kindern in Kontakt stehen, wie Pädiater:innen oder Krankenhäuser.

Ebenso wichtig seien eine verständliche Sprache, eine wertschätzende Haltung und die Orientierung an den Bedürfnissen der Familien. Mehrfach wurde betont, dass Information allein nicht ausreicht. Vertrauen, persönliche Beziehungen und verlässliche Ansprechpersonen sind entscheidende Voraussetzungen dafür, dass Unterstützungsangebote angenommen und langfristig genutzt werden.

Gemeinsame Verantwortung für gesunde Entwicklung

Der Kindergesundheitsgipfel hat gezeigt, dass viele erfolgreiche Ansätze bereits bestehen. Die zentrale Herausforderung besteht nun darin, diese stärker miteinander zu verbinden, Familien leichter zugänglich zu machen und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Systemen nachhaltig zu stärken.

Die zentrale Botschaft des Gipfels lautet daher: Frühe Förderung gelingt dort, wo Familien frühzeitig erreicht, wertschätzend begleitet und durch gut vernetzte Strukturen unterstützt werden. Kindergärten, Frühe Hilfen, Gesundheitsdienste, Schulen und kommunale Netzwerke spielen dabei eine gemeinsame Verantwortung für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.
 

Vielen Dank für die Unterstützung unseres Kindergesundheitsgpifels durch die Wiener Gesundheitsförderung und das Markhof - Das Dorf in der Stadt