Gesundheit und Kinderarmut

Armut hat viele Gesichter: materielle, existentielle und emotionale. Kinder und Jugendliche leiden neben der materiellen Armut auch an der existentiellen Angst, Perspektivenlosigkeit und Stress ihrer Eltern, an dem Mangel an gemeinsamer Zeit, an Freude, an Förderung und Zuversicht, an Spracharmut und an dem Mangel an positiver Orientierung und Zugehörigkeit in der Gemeinschaft.

380.000 Kinder und Jugendliche gelten derzeit in Österreich als armuts- oder ausgrenzungs-gefährdet. Mittelfristige und nachhaltig wirkende Armutsbekämpfung muss auf die Lebensbedingungen von Kindern zielen.

Einkommenszahlen drücken die wirkliche Problematik armutsgefährdeter Menschen oft nur ungenau aus, weil es die Kostenbelastung ist, die Familien in eine prekäre Situation bringen. So steht die oben erwähnte vierköpfige Familie im Falle einer monatlichen Mietzahlung von 1200 Euro ungleich armutsgefährdeter da als eine ähnliche Familie mit gleich hohem Einkommen, die im selbstgenutzten Eigentum lebt. Damit wird z.B. Wohnungspolitik zu einem wichtigen Element der Armutsbekämpfung.

Mittelfristige und nachhaltig wirkende Armutsbekämpfung muss auf die Lebensbedingungen von Kindern zielen, die auch in einem sozialen Sinn benachteiligt sind. In dieser Sicht wird die Förderung von Brennpunktschulen oder die frühzeitige Eingliederung von ausländischen Kindern in den Kindergarten bzw. entsprechende Deutschkurse zum effektivsten Mittel der Armutsbekämpfung. 

STEFAN HUMER SEVERIN RAPP, KOSTEN VON KINDERN, 2020
ERHEBUNGSMETHODEN & BANDBREITEN, 750 KB